Dem Gras beim Wachsen zuschauen

In den letzten Wochen hat sich viel getan rund um unser Haus. Nachdem es ein Jahr lang inmitten einer von Schotter und Unkraut dominierten Bauwüste stand, haben wir uns dazu durchgerungen, den Landschaftsgärtner unseres Vertrauens damit zu beauftragen, die Wüste in ein kleines grünes Paradies zu verwandeln. Nun sind die Arbeiten bis auf den Bau des Zauns abgeschlossen. In den Nachbargärten haben die Beerenbüsche bereits zartes Blattwerk entwickelt. Die Magnolien und Kirschbäume blühen. Es ist Frühling geworden.

Mit dem Frühling erwachte auch mein Tatendrang. Am liebsten hätte ich schon selbst im neuen Garten gewerkelt, aber 70l-Rindenmulch-Säcke sind zurzeit leider nicht ganz das Richtige für mich – das sehe ich immerhin ein. Also habe ich diese Arbeit schweren Herzens meinem Mann überlassen und stattdessen den Winterschmutz aus meinem Auto verbannt, den Sandkasten frisch befüllt und im Haus geräumt und geputzt. Auch Pläne für die nächsten handwerklichen Projekte hatte ich schon.

Gestern dann die Hiobsbotschaft: Bei einer Routinekontrolle wurden vorzeitige Wehen festgestellt. Ich hatte sie zwar zuvor schon selbst bemerkt, aber nicht als solche eingeordnet oder gar ernst genommen. Auf die Diagnose folgte auch gleich eine ganze Litanei an Verhaltensvorschriften. Zusammengefasst: Ich muss zwar nicht liegen, darf mich aber ansonsten körperlich nicht anstrengen. Alle meine Pläne sind dahin, ich bin zur Untätigkeit verdammt! Zwar hätte ich jetzt umso mehr Zeit zum Schreiben, allerdings scheint das Arbeiten am Bildschirm bisher unvereinbar mit meiner kleinen Tochter zu sein, da sie – wie wohl alle Kinder – von diesem magisch angezogen wird.
Eigentlich hatte ich in den nächsten Wochen vor, ihr Spielzimmer schöner und strukturierter zu gestalten – in der Hoffnung, dass sie mir dann vielleicht ein wenig Zeit am Schreibtisch gönnt. Aber Möbel schleppen und aufbauen ist jetzt leider nicht mehr möglich. Ein neuer Plan muss her. Zunächst aber muss ich feststellen, dass meine Motivation am Boden zerstört ist. Die Lieferung unseres neuen Rasenmähers heute erschien mir nur noch wie blanker Hohn. Ich werde ihn in den kommenden vier Monaten nicht benutzen dürfen. Ich werde dem Gras beim Wachsen zuschauen.

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