Und so beginnt es…

In diesem ersten Blogpost möchte ich einen ersten Einblick in die Arbeit an meinem neuen Projekt – der literarischen Bearbeitung der Táin Bó Cuailnge – geben. Und weil es so furchtbar naheliegend ist – schließlich ist es der erste Post und der erste Arbeitsbericht – widme ich mich auch gleich mal dem Prolog.

In den überlieferten Manuskripten werden der Táin Bó Cuailnge meist mehrere so genannte rémscéla, Vorgeschichten, vorangestellt. Sie erläutern Hintergründe zu einzelnen Charakteren und Ereignissen, auf die in der Táin Bó Cuailnge Bezug genommen wird. Dieses Hintergrundwissen ist zum Verständnis der Geschichte nicht zwingend notwendig, trägt aber erheblich dazu bei, die Motivation einzelner Charaktere nachzuvollziehen und die Tragweite der geschilderten Ereignisse im Kontext der anderen Sagen des Ulsterzyklus zu erfassen.
Es gibt keinen verbindlichen Kanon der Vorgeschichten und so habe auch ich mich entschieden, nicht alle von ihnen in meine Bearbeitung mit einzubeziehen. Weiterhin habe ich beschlossen, sie der Geschichte nicht voranzustellen, sondern an geeigneter Stelle in diese einzubinden.

Die eigentliche Táin Bó Cuailnge beginnt in zwei von drei überlieferten Versionen direkt mit dem Aufmarsch der Streitkräfte des Königreichs von Connacht ohne die Gründe für den geplanten Heerzug zu nennen.
Eine Version allerdings lässt sie mit dem so genannten Kopfkissengespräch beginnen, in dem auf der königlichen Bettstatt zwischen Medb von Connacht und ihrem Gatten Ailill eine Auseinandersetzung über deren Wohlstand entbrennt, die Medb schließlich dazu veranlasst gegen das Nachbarkönigreich Ulster in den Krieg zu ziehen.
Dieses verhängnisvolle Gespräch des Connachter Königspaares soll auch den Prolog meiner Bearbeitung bilden. Medb von Connacht – einer der schillerndsten und wichtigsten Charaktere – wird in dieser Szene eingeführt und obwohl sie zu Beginn schlicht von einer gewissen erotischen Spannung geprägt zu sein scheint, offenbart sich schon bald eindrucksvoll einer der zahlreichen Konflikte dieser königlichen Beziehung. Gleichzeitig wird dem Leser schon jetzt die Unverhältnismäßigkeit des gesamten Kriegszuges vor Augen geführt – die erste einer ganzen Reihe von Absurditäten, die für die Táin Bó Cuailnge aber auch für die keltische Sage im Allgemeinen charakteristisch sind.

Neben der Arbeit am Prolog steht im Moment auch die Charakterentwicklung im Vordergrund, die ich in einem der nächsten Posts thematisieren möchte…

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